Vocalensemble Rüsselsheim e.V. - Presse

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 Adventssingen 2007

Konzert am 16.12.2007 in der Versöhnungskirche Haßloch-Nord



Programm/Besetzung |  Details zum Programm


Briten und Barock

Vocalensemble: Abwechslungsreiches weihnachtliches Konzert in der Haßlocher Versöhnungskirche zwischen Christmas-Carols und mehrstimmigen Motetten

Rüsselsheimer Echo vom 18.12.2007


Seit eh und je sind Innovationen und Repertoire-Überraschungen das Markenzeichen des Vocalensembles Rüsselsheim, zu dessen Tradition seit über zwanzig Jahren das Adventskonzert in der Versöhnungskirche in Haßloch-Nord gehört.

Das Programm am Sonntagnachmittag erhielt seine besondere Spannkraft und Originalität durch die Konfrontation zeitgenössischer englischer Christmas-Chorals und Spiritual-Arrangements mit Beispielen prunkvoller Vokalpolyphonie aus der Zeit um 1600 und des Hochbarock.

Seine Vorliebe fürs Anglophile führten den Leiter Stefan Speyer und die etwa vierzig Sängerinnen und Sänger des Vocalensembles heuer auf die Spur von Bob Chilcott, der bis vor zehn Jahren Tenor-Mitglied der berühmten Gesangsgruppe „King`s Singers“ war und inzwischen zu einem der bekanntesten britischen Komponisten von Chormusik avanciert ist.

Die drei „Christmas Carols“ („Christmas-tide“, „For him all Stars have shone“, „Mid-Winter“), die das Vocalensemble, von Stefan Speyer einfühlsam dirigiert und von Albrecht Schmidt am Klavier begleitet, mit offensichtlicher innerer Anteilnahme vorstellte, sind in ihrer gefälligen Machart verwandt mit den Produkten John Rutters, dessen beliebte Chormusik dem Vocalensemble ebenfalls vertraut ist: Wie durch einen Weichspüler geschleust, sind Chilcotts cremige, durchgängig zum Melancholisch-Süßlichen tendierenden Piecen sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Sie kommen jedoch dank der kultivierten Tongebung des Vocalensembles, einer sensibel ausgeformten Dynamik und des stets homogenen Chorklangs zu einer schlüssigen Interpretation.

Die Christmas-Spirituals, die der 1955 geborene Bob Chilcott einrichtete, leben von farbiger, mit Reibe-Dissonanzen angereicherter Harmonik: Umglitzert von kleinen Bass- und Sopran-Soli leuchtet der Stern von Bethlehem in „Behold that star“ in einer überzeugenden Pianissimo-Studie; im wiegenden Rhythmus, gesteigert durch tonale Rückungen, berichtet „Away in a manger“ von „Little Lord Jesus“ in Krippe und Stall. „Remember, o thou man“ schließlich komponiert Chilcott als veritable Blues-Ballade mit saftigen Jazzharmonien.

Ein Blechbläserquartett mit Niels Wallstädt, Christian Vollmann (Trompeten), Robert Ternes und Simon Gößling (Posaunen) sowie der souveräne Organist Jo Meltke sorgten neben dem Chor für einen großformatigen Klang bei zwei doppelchörigen Werken, wobei sich Orgel mit Chor und die im hinteren Kirchenraum postierten Bläser (nicht durchweg „sattelfest“ in Tempo und Tonbildung) in zwei echoartig kontrapunktierenden Klanggruppen gegenüber standen.

Auf diese Weise gerieten „In dulci jubilo“ von Michael Praetorius und die Motette „Uns ist ein Kind geboren“ von Johann Ludwig Bach (einem entfernten Vetter des Thomaskantors Johann Sebastian Bach) zu prächtigen Tableaus, die einen Eindruck davon vermittelten, wie es in Venedigs Markusdom zur Blütezeit der Mehrchörigkeit geklungen haben mag.

Ein weiteres Beispiel geistlicher Musik aus jener Zeit war die in einem strahlenden „Alleluia“ gipfelnde Motette „O magnum mysterium“ von Tomas Luis de Victoria, um 1600 der führende Musiker in Madrid und durch seine Studienzeit in Rom mit den stilistischen Gepflogenheiten der Vokalpolyphonie Palestrinas bestens vertraut.

Traditionsgemäß ergänzt wurde das anspruchsvolle Programm mit Weihnachtschorälen. Hier konnten die Besucher in der dicht besetzten Versöhnungskirche bei einigen Strophen mit einstimmen. Neben Bach-Sätzen („Wachet auf, ruft uns die Stimme“, „Wie schön leuchtet der Morgenstern“) blieben moderne Bearbeitungen der Choräle „Wie soll ich dich empfangen“ und „Es kommt ein Schiff geladen“ von Michael Schütz (geboren 1963) besonders in Erinnerung: Chor, Gemeindegesang, Blechbläser, Orgel und Klavier vereinigten sich in einem reizvoll modernen Sound zu mächtiger Klangfülle, die sich freilich dank Stefan Speyers umsichtiger dirigentischer Regie organisch in das insgesamt von Verhaltenheit und Besinnlichkeit geprägte diesjährige Adventssingen einfügte.